Ein Erbbaurecht lässt sich finanzieren, Banken prüfen aber mehr als beim normalen Kauf: vor allem die Restlaufzeit des Erbbaurechts, die Höhe des Erbbauzinses und ob der Grundstückseigentümer der Grundschuld zustimmt. Du sparst den Kaufpreis für das Grundstück, zahlst dafür aber dauerhaft Erbbauzins – ob sich das rechnet, hängt vom Zinssatz, der Laufzeit und deinen Plänen ab. Ein anderes Modell mit ähnlicher Logik – heute nutzen, später besitzen – ist der Mietkauf.
Das Wichtigste: Rechtsgrundlage ist das Erbbaurechtsgesetz (ErbbauRG). Du besitzt das Haus, das Grundstück gehört einem anderen – oft einer Kommune, Kirche oder Stiftung. Für die Finanzierung zählen Restlaufzeit, Zustimmung zur Belastung, Rang des Erbbauzinses und Heimfallregeln. Monatlich ist Erbbaurecht zunächst oft günstiger als der Grundstückskauf, langfristig nicht unbedingt.

So funktioniert das Erbbaurecht
Nach § 1 ErbbauRG ist das Erbbaurecht das veräußerliche und vererbliche Recht, auf oder unter einem fremden Grundstück ein Bauwerk zu haben. Es wird im Grundbuch eingetragen und bekommt ein eigenes Erbbaugrundbuch. Rechtlich behandelst du es fast wie ein Grundstück: Du kannst es verkaufen, vererben und mit einer Grundschuld belasten. Das Gebäude gilt als wesentlicher Bestandteil des Erbbaurechts (§ 12 ErbbauRG), nicht des Grundstücks.
Für die Nutzung des Grundstücks zahlst du dem Eigentümer den Erbbauzins. Er wird im Vertrag frei vereinbart und meist als Prozentsatz des Bodenwerts ausgedrückt. Das Erbbaurecht läuft auf eine feste Zeit, bei Wohngebäuden häufig mehrere Jahrzehnte. In Städten wie Hamburg vergibt die öffentliche Hand Grundstücke oft im Erbbaurecht, sodass du dort bei der Suche immer wieder darauf stößt.
Was Banken beim Erbbaurecht verlangen
Die Bank sichert den Kredit mit einer Grundschuld am Erbbaurecht ab. Weil dieses Recht zeitlich begrenzt ist und an Bedingungen des Grundstückseigentümers hängt, schaut sie genauer hin als beim Volleigentum.
Restlaufzeit
Je kürzer das Erbbaurecht noch läuft, desto weniger ist es als Sicherheit wert. Das Gesetz gibt eine Orientierung: Für die sogenannte Mündelsicherheit muss ein Grundpfandrecht nach § 20 ErbbauRG planmäßig getilgt werden und die Tilgung spätestens zehn Jahre vor Ablauf des Erbbaurechts enden. Viele Banken orientieren sich an diesem Abstand. Läuft das Erbbaurecht nur noch 40 Jahre, sollte der Kredit also deutlich früher abbezahlt sein. Das kann eine höhere Tilgung und damit eine höhere Rate bedeuten.
Zustimmung des Grundstückseigentümers
Nach § 5 ErbbauRG kann im Vertrag vereinbart sein, dass du für Verkauf oder Belastung die Zustimmung des Grundstückseigentümers brauchst. Das ist die Regel. Ohne Zustimmung darf keine Grundschuld eingetragen werden. Der Eigentümer muss zustimmen, wenn die Belastung mit einer ordnungsmäßigen Wirtschaft vereinbar ist; verweigert er sie ohne ausreichenden Grund, kann das Amtsgericht die Zustimmung ersetzen (§ 7 ErbbauRG). Plane für die Zustimmung einige Wochen ein und kläre früh, ob Gebühren anfallen.
Rang des Erbbauzinses
Der Erbbauzins ist als Reallast im Erbbaugrundbuch eingetragen, meist vor der Grundschuld der Bank. Für die Bank ist entscheidend, dass der Erbbauzins bei einer Zwangsversteigerung bestehen bleibt und das Erbbaurecht nicht untergeht. § 9 Abs. 3 ErbbauRG erlaubt, genau das zu vereinbaren. Fehlt eine solche Regel in älteren Verträgen, verlangen Banken oft einen Rangrücktritt oder eine Stillhalteerklärung des Grundstückseigentümers.
Beleihungswert und Eigenkapital
Die Bank ermittelt den Beleihungswert des Erbbaurechts. Dabei fließen Restlaufzeit, Erbbauzins und die Entschädigungsregeln ein. Er liegt in der Regel unter dem Wert einer vergleichbaren Immobilie mit Grundstück, sodass du mehr Eigenkapital im Verhältnis zum Beleihungswert einplanen solltest. Wie eine Bewertung grundsätzlich abläuft, erklärt der Beitrag zur Immobilienbewertung. Den Erbbauzins rechnet die Bank bei der Haushaltsrechnung als laufende Belastung mit ein – ähnlich wie eine zusätzliche Kreditrate.
Heimfall, Entschädigung und Erbbauzinsanpassung
- Heimfall: Der Vertrag kann regeln, dass du das Erbbaurecht unter bestimmten Voraussetzungen an den Grundstückseigentümer übertragen musst (§ 2 Nr. 4 ErbbauRG), etwa bei längerem Zahlungsverzug mit dem Erbbauzins. Dafür steht dir eine angemessene Vergütung zu (§ 32 ErbbauRG). Grundschulden bleiben beim Heimfall bestehen, soweit sie dem Eigentümer gegenüber wirksam sind.
- Ende der Laufzeit: Erlischt das Erbbaurecht durch Zeitablauf, zahlt der Grundstückseigentümer eine Entschädigung für das Gebäude (§ 27 ErbbauRG). Wurde das Erbbaurecht für Wohnzwecke minderbemittelter Bevölkerungskreise bestellt, muss sie mindestens zwei Drittel des gemeinen Werts betragen. Oft kann der Eigentümer die Entschädigung abwenden, indem er das Erbbaurecht verlängert.
- Erbbauzinsanpassung: Die meisten Verträge enthalten eine Wertsicherungsklausel. Bei Wohngebäuden ist eine Erhöhung nach § 9a ErbbauRG nur zulässig, soweit sie nicht unbillig ist, und nicht öfter als alle drei Jahre.
Du hast ein Haus im Erbbaurecht im Blick und willst wissen, ob die Restlaufzeit für eine Finanzierung reicht?
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Rechenbeispiel: Grundstück kaufen oder Erbbaurecht?
Angenommen, ein Einfamilienhaus kostet mit Grundstück 450.000 €, davon entfallen 150.000 € auf den Boden. Im Erbbaurecht zahlst du für das Haus 300.000 € und 4 % Erbbauzins auf den Bodenwert. Beim Kauf finanzierst du die 150.000 € für das Grundstück zusätzlich, mit einem Beispielzins von 3,6 % und 2 % Anfangstilgung.
| Grundstücksanteil | Erbbaurecht | Kauf (Kredit 150.000 €) |
|---|---|---|
| Monatliche Belastung | 500 € Erbbauzins | 700 € Rate |
| Dauer bis Kredit getilgt | – | rund 28,7 Jahre |
| Summe der Zahlungen in 28,7 Jahren | rund 172.000 € | rund 240.600 € |
| davon reine Kosten (Erbbauzins bzw. Zinsen) | rund 172.000 € | rund 90.600 € |
| Danach | Erbbauzins läuft weiter | Grundstück gehört dir |
Beispiel, gerundet, ohne Erbbauzinsanpassung, ohne Kaufnebenkosten und ohne Wertentwicklung des Bodens. Zinssatz und Erbbauzins sind Annahmen, keine Marktangaben. Stand 27. September 2026.
Laufende Kosten für den Boden über 28,7 Jahre
Erbbauzins vs. Kreditzinsen, in Euro
Das Beispiel zeigt die typische Abwägung: Das Erbbaurecht senkt den Kapitalbedarf und die Monatsbelastung am Anfang. Wer das Haus sehr lange hält, zahlt über den Erbbauzins jedoch oft mehr, als ein Grundstückskredit an Zinsen gekostet hätte. Je höher der Erbbauzins im Vergleich zum Kreditzins, desto eher spricht die Rechnung für den Kauf. Bei niedrigen Erbbauzinsen, wie sie manche Kommunen für Familien anbieten, kann es umgekehrt sein. Nicht eingerechnet ist, ob der Boden an Wert gewinnt – dieser Zuwachs käme beim Erbbaurecht dem Grundstückseigentümer zugute.
Weitere Kosten beim Erbbaurecht
- Grunderwerbsteuer: Auch der Erwerb eines Erbbaurechts ist grunderwerbsteuerpflichtig, weil es als grundstücksgleiches Recht gilt (§ 2 Abs. 2 GrEStG). Die Bemessungsgrundlage kann vom Kaufpreis abweichen – lass sie dir vom Notar erläutern. Die Steuersätze der Länder findest du im Beitrag zur Grunderwerbsteuer.
- Notar und Grundbuch: Wie beim normalen Kauf, zusätzlich eventuell Kosten für die Zustimmung des Grundstückseigentümers.
- Grundsteuer: Die zahlst in der Regel du als Erbbauberechtigter, auch für den Grund und Boden.
Checkliste vor dem Kauf
- Erbbaurechtsvertrag und Erbbaugrundbuch vollständig anfordern.
- Restlaufzeit, Verlängerungsoptionen und Entschädigung bei Zeitablauf prüfen.
- Höhe und Anpassungsklausel des Erbbauzinses klären, letzte Anpassung erfragen.
- Heimfallgründe lesen, vor allem zu Zahlungsverzug, Nutzung und Umbauten.
- Klären, ob der Eigentümer Belastung und Verkauf zustimmt und ob der Erbbauzins versteigerungsfest vereinbart ist.
- Unterlagen früh an die finanzierende Bank geben, damit sie die Beleihung prüfen kann.
Weiterlesen: Hausbau-Kosten 2026 · Grundstück kaufen und finanzieren · Anbau finanzieren · Nachfinanzierung und Zwischenfinanzierung
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Häufige Fragen
Finanzieren Banken ein Haus im Erbbaurecht?
Ja, wenn die Restlaufzeit ausreicht, der Grundstückseigentümer der Grundschuld zustimmt und der Erbbauzins bei einer Versteigerung bestehen bleibt. Der Beleihungswert liegt meist unter dem einer Immobilie mit eigenem Grundstück.
Wie lange muss ein Erbbaurecht noch laufen?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Viele Banken orientieren sich an § 20 ErbbauRG, wonach die Tilgung spätestens zehn Jahre vor Ablauf des Erbbaurechts enden soll. Je kürzer die Restlaufzeit, desto höher muss die Tilgung sein.
Was passiert, wenn das Erbbaurecht ausläuft?
Das Gebäude fällt an den Grundstückseigentümer, der dafür eine Entschädigung zahlt (§ 27 ErbbauRG). Häufig wird das Erbbaurecht vorher verlängert – ob und zu welchen Bedingungen, regelt der Vertrag.
Kann der Erbbauzins steigen?
Ja, wenn der Vertrag eine Anpassungsklausel enthält. Bei Wohngebäuden begrenzt § 9a ErbbauRG Erhöhungen: Sie dürfen nicht unbillig sein und frühestens nach drei Jahren erneut verlangt werden.
Ist Erbbaurecht günstiger als ein Grundstückskauf?
Am Anfang meist ja, weil der Kaufpreis für den Boden entfällt. Über lange Zeit kann der Erbbauzins aber mehr kosten als die Zinsen für einen Grundstückskredit – und das Grundstück gehört dir nie.
Über diese Inhalte
Erstellt und geprüft von der Redaktion dein-hauskredit.de nach unseren redaktionellen Auswahlkriterien. Stand: 27. September 2026.
Quellen:
- Bundesministerium der Justiz – Gesetz über das Erbbaurecht (ErbbauRG)
- Bundesministerium der Justiz – § 5 ErbbauRG, Zustimmung des Grundstückseigentümers
- Bundesministerium der Justiz – § 9a ErbbauRG, Erhöhung des Erbbauzinses
- Bundesministerium der Justiz – § 20 ErbbauRG, Planmäßige Tilgung
- Bundesministerium der Justiz – § 27 ErbbauRG, Entschädigung bei Zeitablauf
- Bundesministerium der Justiz – § 2 GrEStG, Grundstücke
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Zuletzt aktualisiert am 27. September 2026 · Redaktion dein-hauskredit.de