Wie viel Haus kann ich mir leisten? Rechner & Faustformel 2026

Die wichtigste Frage vor jedem Immobilienkauf lautet: Wie viel Haus kann ich mir wirklich leisten? Wer diese Frage mit einer realistischen Zahl beantwortet …

Die wichtigste Frage vor jedem Immobilienkauf lautet: Wie viel Haus kann ich mir wirklich leisten? Wer diese Frage mit einer realistischen Zahl beantwortet, kauft sorgenfrei. Wer sie unterschätzt, riskiert finanzielle Engpässe über Jahrzehnte.

Zuletzt aktualisiert: Juli 2026

Die Faustformel: 35 % des Nettoeinkommens

Banken und Finanzberater empfehlen übereinstimmend: Die monatliche Rate sollte nicht mehr als 35 % des Nettohaushaltseinkommens betragen. Das ist kein willkürlicher Wert – er stellt sicher, dass neben der Kreditrate genug Geld für Lebenshaltungskosten, Rücklagen und unvorhergesehene Ausgaben bleibt.

Bei einem Nettoeinkommen von 4.000 € wären das maximal 1.400 € monatliche Rate. Bei 5.000 € netto entsprechend 1.750 €. Aber: Die Rate ist nur ein Teil der Rechnung. Hinzu kommen die Kaufnebenkosten (7–12 % des Kaufpreises), die in der Regel aus Eigenkapital bezahlt werden müssen.

Aktuelle Zinssituation Juli 2026: Die EZB hat am 11. Juni 2026 die Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben (Einlagenzins: 2,25 %, Hauptrefinanzierungssatz: 2,40 %). Bauzinsen liegen aktuell bei 3,6–4,3 % (10 Jahre). Bei 300.000 € Darlehen und 3,8 % Zins + 2 % Tilgung ergibt sich eine monatliche Rate von ca. 1.450 €.

Kaufpreis nach Nettoeinkommen – Tabelle 2026

Die folgende Tabelle zeigt, welcher Kaufpreisrahmen bei verschiedenen Einkommensstufen realistisch ist. Basis: Bauzins 3,8 %, Anfangstilgung 2 %, 30 % Eigenkapital vom Kaufpreis, Nebenkosten ca. 10 %.

Nettoeinkommen (HH) Max. Rate (35 %) Darlehen ca. Kaufpreis ca.
2.500 € / Monat875 €ca. 148.000 €ca. 210.000 €
3.000 € / Monat1.050 €ca. 177.000 €ca. 253.000 €
4.000 € / Monat1.400 €ca. 236.000 €ca. 337.000 €
5.000 € / Monat1.750 €ca. 295.000 €ca. 421.000 €
6.000 € / Monat2.100 €ca. 354.000 €ca. 506.000 €

Richtwerte Juli 2026. Basis: 3,8 % Zins, 2 % Tilgung, 30 % Eigenkapital.

Schritt 1: Eigenkapital realistisch einschätzen

Eigenkapital ist nicht nur das Geld auf dem Konto – es umfasst alles, was sofort oder bald verfügbar ist: Sparguthaben, Tagesgeld und Festgeld, den Guthaben-Anteil eines Bausparvertrags, Wertpapierdepots (wenn kurzfristig liquidierbar) sowie Schenkungen von Eltern oder Großeltern.

Davon abziehen: die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, ggf. Makler). In Niedersachsen betragen die Nebenkosten etwa 8–10 % des Kaufpreises. Bei einem Kaufpreis von 250.000 € sind das 20.000–25.000 €, die das verfügbare Eigenkapital schmälern.

Faustregel: Mindestens 20 % des Kaufpreises als Eigenkapital, plus die Nebenkosten. Wer weniger als 20 % einbringt, zahlt deutlich höhere Zinsen – Banken sehen ein höheres Risiko und schlagen entsprechende Aufschläge auf den Zinssatz auf.

Häufiger Fehler: Viele Käufer zählen das gesamte Ersparte als Eigenkapital und vergessen, dass sie 3–6 Monatsgehälter als eiserne Reserve behalten sollten. Eine kaputte Heizung oder ein Jobwechsel nach dem Kauf darf nicht zur Kreditklemme führen.

Schritt 2: Das verfügbare Monatsbudget berechnen

Nicht das Bruttoeinkommen, sondern das freie Nettoeinkommen zählt. Die richtige Haushaltsrechnung sieht so aus:

Position Betrag (Beispiel)
Nettoeinkommen Haushalt4.500 €
− Lebenshaltungskosten (ohne Miete)− 1.800 €
− Fahrzeug, Versicherungen, Mobilität− 400 €
− Instandhaltungsrücklage (1 % Kaufpreis / Jahr)− 250 €
= Theoretisch frei für Kreditrate2.050 €
Empfehlung: max. 35 % von 4.500 €1.575 €

Das Beispiel zeigt: Auch wenn rechnerisch mehr möglich wäre, empfiehlt sich die konservativere 35-%-Grenze – sie lässt Spielraum für steigende Nebenkosten, Kinder, Jobwechsel oder Sanierungsmaßnahmen am Haus.

Schritt 3: Den maximalen Kaufpreis berechnen

Mit der maximalen monatlichen Rate und den aktuellen Zinsen lässt sich der maximal finanzierbare Darlehensbetrag berechnen. Vereinfachte Formel:

Darlehen = Rate × 12 / (Zins + Tilgung) × 100

Beispiel: Rate 1.400 €, Zins 3,8 %, Tilgung 2,0 % = 1.400 × 12 / 5,8 × 100 = ca. 289.655 € Darlehen. Dazu kommt das verfügbare Eigenkapital (nach Abzug der Nebenkosten). Wer 80.000 € hat und davon 25.000 € für Nebenkosten eines 300.000-€-Kaufs abzieht, hat 55.000 € netto einsetzbar. Gesamter Kaufpreis: 290.000 € + 55.000 € = ca. 345.000 €.

Rechenbeispiele für Ostfriesland 2026

Ostfriesland ist eine der wenigen Regionen in Deutschland, in der Immobilienpreise noch moderat sind. Ein solides Einfamilienhaus in Aurich oder Wittmund kostet 200.000–280.000 €, in Norden oder Emden 240.000–320.000 €, auf den Inseln deutlich mehr.

Szenario Kaufpreis EK Rate/Monat Mindest-Nettoeinkommen
Starter in Aurich220.000 €60.000 €ca. 870 €ca. 2.500 € netto
Familie in Emden280.000 €70.000 €ca. 1.270 €ca. 3.600 € netto
Großes EFH Norderney420.000 €120.000 €ca. 1.700 €ca. 4.900 € netto

Instandhaltungsrücklage – oft vergessen

Viele Erstkäufer planen die Kreditrate, vergessen aber die laufenden Kosten des Eigenheims. Als Faustregel gilt: 1–1,5 % des Kaufpreises pro Jahr für Instandhaltung einplanen. Bei einem Haus für 250.000 € sind das 2.500–3.750 € pro Jahr – oder 210–315 € pro Monat. Diese Kosten sind real: Ein neues Dach kostet 15.000–30.000 €, eine Heizung 8.000–20.000 €, neue Fenster 10.000–25.000 €. Wer jährlich zurücklegt, wird nicht kalt erwischt.

Auch die Grundsteuer (ab 2025 in vielen Ländern neu berechnet) und die Wohngebäudeversicherung (ca. 400–800 € / Jahr) sind laufende Kosten, die in das Gesamtbudget gehören.

Was die Bank wirklich prüft

Banken machen ihre eigene Haushaltsrechnung – und die ist oft strenger als die eigene. Folgende Faktoren beeinflussen die Kreditentscheidung stark: Festangestellte haben es erheblich leichter als Selbstständige, die i.d.R. 2–3 Jahre Steuerbescheide vorlegen müssen. Wer sich noch in der Probezeit befindet, bekommt von den meisten Banken keinen Kredit. Negative SCHUFA-Einträge können zur Ablehnung oder zu Zinsaufschlägen führen. Bestehende Verpflichtungen wie laufende Kredite, Unterhaltspflichten oder Leasing-Verträge reduzieren den anrechenbaren Einkommensrahmen. Banken bewerten außerdem die Objektqualität: Eine Immobilie in schlechtem Zustand oder in einer strukturschwachen Region wird konservativer bewertet.

Eigenkapital aufbauen – wenn es noch nicht reicht

Wer noch nicht genug Eigenkapital hat, hat mehrere Möglichkeiten, es gezielt aufzubauen: Ein Bausparvertrag ermöglicht regelmäßiges Sparen mit Zinssicherung und einem späteren Anspruch auf zinsgünstiges Darlehen. Vermögenswirksame Leistungen (VL) bringen bis zu 40 € Arbeitgeberzuschuss pro Monat – viele Arbeitnehmer nutzen diesen Anspruch gar nicht. Wohn-Riester ermöglicht staatliche Zulagen auch für das Eigenheim. Und Schenkungen von Eltern sind bis 400.000 € alle 10 Jahre steuerfrei möglich.

Mehr dazu: Eigenkapital aufbauen für den Hauskauf – 8 Wege

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Praktische Checkliste vor dem Beratungsgespräch

Wer gut vorbereitet in ein Finanzierungsgespräch geht, erhält schneller ein belastbares Angebot. Diese Unterlagen solltest du bereithalten:

  • Die letzten drei Gehaltsabrechnungen (beide Partner, falls zutreffend)
  • Letzter Steuerbescheid oder aktuelle Steuererklärung
  • Kontoauszüge der letzten drei Monate (zeigt Sparverhalten und Fixkosten)
  • Nachweis über vorhandenes Eigenkapital (Sparbücher, Depotauszüge, Riester-Guthaben)
  • Aktuelle SCHUFA-Auskunft (kostenlos einmal jährlich über meineSCHUFA.de)
  • Informationen zum Wunschobjekt: Kaufpreis, Baujahr, Wohnfläche, Lage

Mit diesen Unterlagen kann ein Experte in wenigen Minuten einen belastbaren Finanzierungsrahmen ermitteln – ohne dass du wochenlang warten musst.

Warum Bauzinsen 2026 genau beobachten?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins (Hauptrefinanzierungssatz) am 11. Juni 2026 auf 2,40 % angehoben – eine Maßnahme, die direkte Auswirkungen auf die Bauzinsen hat. Zum Vergleich: Im Sommer 2022 lagen die Bauzinsen noch nahe 0 %. Im Juli 2026 notieren 10-jährige Bauzinsen bei 3,6–4,3 %, je nach Bonität, Eigenkapital und Anbieter.

Das bedeutet: Wer heute 300.000 € finanziert, zahlt monatlich ca. 1.400–1.700 € (je nach Tilgungssatz). Wer 2020 finanziert hätte, hätte bei 1,0 % Zins nur ca. 900 € gezahlt. Dieser Zinsanstieg macht sorgfältige Planung wichtiger denn je – und unterstreicht, warum die eigene Leistbarkeitsberechnung realistisch sein muss.

Ostfriesland-Vorteil: Verglichen mit Metropolregionen sind Immobilienpreise in Ostfriesland (Aurich, Leer, Emden, Norden) noch moderat. Ein solides Einfamilienhaus ist hier ab 220.000–290.000 € zu finden – bei gleichem Budget wie anderswo deutlich mehr Wohnfläche und Garten.

Häufige Fragen

Wie viel Haus bekomme ich für 1.000 € monatliche Rate?

Bei einem Zins von 3,8 % und 2 % Tilgung ergibt eine Rate von 1.000 € einen Darlehensbetrag von ca. 206.000 €. Mit 20 % Eigenkapital (ca. 52.000 €) ergibt das einen Kaufpreis von ca. 258.000 €. Das reicht für ein solides Haus in Ostfriesland.

Kann ich ohne Eigenkapital ein Haus kaufen?

Ja, das ist möglich – aber mit deutlichen Nachteilen: höhere Zinsen (Aufschlag von 0,5–1,5 %), nicht alle Banken vergeben 100-%-Finanzierungen, und die Gesamtkosten steigen erheblich. Mehr dazu: Finanzierung ohne Eigenkapital 2026.

Macht es Sinn, jetzt bei 3,6–4,3 % Zinsen zu kaufen?

Die Zinsen sind höher als in der Niedrigzinsphase, aber historisch noch im normalen Bereich. Entscheidend ist nicht der absolute Zinssatz, sondern ob die Rate dauerhaft tragbar ist. Zudem sinkt die Restschuld mit jedem Jahr – eine Umschuldung zu günstigeren Konditionen ist später immer möglich.

Rechnet die Bank brutto oder netto?

Banken rechnen grundsätzlich mit dem Nettoeinkommen. Bonuszahlungen und Überstunden werden nur zu einem Teil (oft 50–80 %) angerechnet. Mieteinnahmen aus anderen Objekten werden ebenfalls oft nur zu 70–80 % angesetzt.

Maximales Darlehen berechnen – so planst du realistisch
Maximales Darlehen berechnen – so planst du realistisch

📅 Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2026

Beate Schäfer

Beate Schäfer begleitet Familien und Erstkäufer auf dem Weg ins Eigenheim. Ihr Fokus liegt auf verständlichen Tipps rund um Hauskauf, Wohntrends und die persönliche Finanzplanung.