Die wichtigste Frage vor jedem Immobilienkauf lautet: Wie viel Haus kann ich mir wirklich leisten? Wer diese Frage mit einer realistischen Zahl beantwortet, kauft sorgenfrei. Wer sie unterschätzt, riskiert finanzielle Engpässe über Jahrzehnte.
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Die Faustformel: 35 % des Nettoeinkommens
Banken und Finanzberater empfehlen übereinstimmend: Die monatliche Rate sollte nicht mehr als 35 % des Nettohaushaltseinkommens betragen. Das ist kein willkürlicher Wert – er stellt sicher, dass neben der Kreditrate genug Geld für Lebenshaltungskosten, Rücklagen und unvorhergesehene Ausgaben bleibt.
Bei einem Nettoeinkommen von 4.000 € wären das maximal 1.400 € monatliche Rate. Bei 5.000 € netto entsprechend 1.750 €. Aber: Die Rate ist nur ein Teil der Rechnung. Hinzu kommen die Kaufnebenkosten (7–12 % des Kaufpreises), die in der Regel aus Eigenkapital bezahlt werden müssen.
Kaufpreis nach Nettoeinkommen – Tabelle 2026
Die folgende Tabelle zeigt, welcher Kaufpreisrahmen bei verschiedenen Einkommensstufen realistisch ist. Basis: Bauzins 3,8 %, Anfangstilgung 2 %, 30 % Eigenkapital vom Kaufpreis, Nebenkosten ca. 10 %.
| Nettoeinkommen (HH) | Max. Rate (35 %) | Darlehen ca. | Kaufpreis ca. |
|---|---|---|---|
| 2.500 € / Monat | 875 € | ca. 148.000 € | ca. 210.000 € |
| 3.000 € / Monat | 1.050 € | ca. 177.000 € | ca. 253.000 € |
| 4.000 € / Monat | 1.400 € | ca. 236.000 € | ca. 337.000 € |
| 5.000 € / Monat | 1.750 € | ca. 295.000 € | ca. 421.000 € |
| 6.000 € / Monat | 2.100 € | ca. 354.000 € | ca. 506.000 € |
Richtwerte Juli 2026. Basis: 3,8 % Zins, 2 % Tilgung, 30 % Eigenkapital.
Schritt 1: Eigenkapital realistisch einschätzen
Eigenkapital ist nicht nur das Geld auf dem Konto – es umfasst alles, was sofort oder bald verfügbar ist: Sparguthaben, Tagesgeld und Festgeld, den Guthaben-Anteil eines Bausparvertrags, Wertpapierdepots (wenn kurzfristig liquidierbar) sowie Schenkungen von Eltern oder Großeltern.
Davon abziehen: die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, ggf. Makler). In Niedersachsen betragen die Nebenkosten etwa 8–10 % des Kaufpreises. Bei einem Kaufpreis von 250.000 € sind das 20.000–25.000 €, die das verfügbare Eigenkapital schmälern.
Faustregel: Mindestens 20 % des Kaufpreises als Eigenkapital, plus die Nebenkosten. Wer weniger als 20 % einbringt, zahlt deutlich höhere Zinsen – Banken sehen ein höheres Risiko und schlagen entsprechende Aufschläge auf den Zinssatz auf.
Schritt 2: Das verfügbare Monatsbudget berechnen
Nicht das Bruttoeinkommen, sondern das freie Nettoeinkommen zählt. Die richtige Haushaltsrechnung sieht so aus:
| Position | Betrag (Beispiel) |
|---|---|
| Nettoeinkommen Haushalt | 4.500 € |
| − Lebenshaltungskosten (ohne Miete) | − 1.800 € |
| − Fahrzeug, Versicherungen, Mobilität | − 400 € |
| − Instandhaltungsrücklage (1 % Kaufpreis / Jahr) | − 250 € |
| = Theoretisch frei für Kreditrate | 2.050 € |
| Empfehlung: max. 35 % von 4.500 € | 1.575 € |
Das Beispiel zeigt: Auch wenn rechnerisch mehr möglich wäre, empfiehlt sich die konservativere 35-%-Grenze – sie lässt Spielraum für steigende Nebenkosten, Kinder, Jobwechsel oder Sanierungsmaßnahmen am Haus.
Schritt 3: Den maximalen Kaufpreis berechnen
Mit der maximalen monatlichen Rate und den aktuellen Zinsen lässt sich der maximal finanzierbare Darlehensbetrag berechnen. Vereinfachte Formel:
Darlehen = Rate × 12 / (Zins + Tilgung) × 100
Beispiel: Rate 1.400 €, Zins 3,8 %, Tilgung 2,0 % = 1.400 × 12 / 5,8 × 100 = ca. 289.655 € Darlehen. Dazu kommt das verfügbare Eigenkapital (nach Abzug der Nebenkosten). Wer 80.000 € hat und davon 25.000 € für Nebenkosten eines 300.000-€-Kaufs abzieht, hat 55.000 € netto einsetzbar. Gesamter Kaufpreis: 290.000 € + 55.000 € = ca. 345.000 €.
Rechenbeispiele für Ostfriesland 2026
Ostfriesland ist eine der wenigen Regionen in Deutschland, in der Immobilienpreise noch moderat sind. Ein solides Einfamilienhaus in Aurich oder Wittmund kostet 200.000–280.000 €, in Norden oder Emden 240.000–320.000 €, auf den Inseln deutlich mehr.
| Szenario | Kaufpreis | EK | Rate/Monat | Mindest-Nettoeinkommen |
|---|---|---|---|---|
| Starter in Aurich | 220.000 € | 60.000 € | ca. 870 € | ca. 2.500 € netto |
| Familie in Emden | 280.000 € | 70.000 € | ca. 1.270 € | ca. 3.600 € netto |
| Großes EFH Norderney | 420.000 € | 120.000 € | ca. 1.700 € | ca. 4.900 € netto |
Instandhaltungsrücklage – oft vergessen
Viele Erstkäufer planen die Kreditrate, vergessen aber die laufenden Kosten des Eigenheims. Als Faustregel gilt: 1–1,5 % des Kaufpreises pro Jahr für Instandhaltung einplanen. Bei einem Haus für 250.000 € sind das 2.500–3.750 € pro Jahr – oder 210–315 € pro Monat. Diese Kosten sind real: Ein neues Dach kostet 15.000–30.000 €, eine Heizung 8.000–20.000 €, neue Fenster 10.000–25.000 €. Wer jährlich zurücklegt, wird nicht kalt erwischt.
Auch die Grundsteuer (ab 2025 in vielen Ländern neu berechnet) und die Wohngebäudeversicherung (ca. 400–800 € / Jahr) sind laufende Kosten, die in das Gesamtbudget gehören.
Was die Bank wirklich prüft
Banken machen ihre eigene Haushaltsrechnung – und die ist oft strenger als die eigene. Folgende Faktoren beeinflussen die Kreditentscheidung stark: Festangestellte haben es erheblich leichter als Selbstständige, die i.d.R. 2–3 Jahre Steuerbescheide vorlegen müssen. Wer sich noch in der Probezeit befindet, bekommt von den meisten Banken keinen Kredit. Negative SCHUFA-Einträge können zur Ablehnung oder zu Zinsaufschlägen führen. Bestehende Verpflichtungen wie laufende Kredite, Unterhaltspflichten oder Leasing-Verträge reduzieren den anrechenbaren Einkommensrahmen. Banken bewerten außerdem die Objektqualität: Eine Immobilie in schlechtem Zustand oder in einer strukturschwachen Region wird konservativer bewertet.
Eigenkapital aufbauen – wenn es noch nicht reicht
Wer noch nicht genug Eigenkapital hat, hat mehrere Möglichkeiten, es gezielt aufzubauen: Ein Bausparvertrag ermöglicht regelmäßiges Sparen mit Zinssicherung und einem späteren Anspruch auf zinsgünstiges Darlehen. Vermögenswirksame Leistungen (VL) bringen bis zu 40 € Arbeitgeberzuschuss pro Monat – viele Arbeitnehmer nutzen diesen Anspruch gar nicht. Wohn-Riester ermöglicht staatliche Zulagen auch für das Eigenheim. Und Schenkungen von Eltern sind bis 400.000 € alle 10 Jahre steuerfrei möglich.
Mehr dazu: Eigenkapital aufbauen für den Hauskauf – 8 Wege
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Jetzt kostenlos anfragenPraktische Checkliste vor dem Beratungsgespräch
Wer gut vorbereitet in ein Finanzierungsgespräch geht, erhält schneller ein belastbares Angebot. Diese Unterlagen solltest du bereithalten:
- Die letzten drei Gehaltsabrechnungen (beide Partner, falls zutreffend)
- Letzter Steuerbescheid oder aktuelle Steuererklärung
- Kontoauszüge der letzten drei Monate (zeigt Sparverhalten und Fixkosten)
- Nachweis über vorhandenes Eigenkapital (Sparbücher, Depotauszüge, Riester-Guthaben)
- Aktuelle SCHUFA-Auskunft (kostenlos einmal jährlich über meineSCHUFA.de)
- Informationen zum Wunschobjekt: Kaufpreis, Baujahr, Wohnfläche, Lage
Mit diesen Unterlagen kann ein Experte in wenigen Minuten einen belastbaren Finanzierungsrahmen ermitteln – ohne dass du wochenlang warten musst.
Warum Bauzinsen 2026 genau beobachten?
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins (Hauptrefinanzierungssatz) am 11. Juni 2026 auf 2,40 % angehoben – eine Maßnahme, die direkte Auswirkungen auf die Bauzinsen hat. Zum Vergleich: Im Sommer 2022 lagen die Bauzinsen noch nahe 0 %. Im Juli 2026 notieren 10-jährige Bauzinsen bei 3,6–4,3 %, je nach Bonität, Eigenkapital und Anbieter.
Das bedeutet: Wer heute 300.000 € finanziert, zahlt monatlich ca. 1.400–1.700 € (je nach Tilgungssatz). Wer 2020 finanziert hätte, hätte bei 1,0 % Zins nur ca. 900 € gezahlt. Dieser Zinsanstieg macht sorgfältige Planung wichtiger denn je – und unterstreicht, warum die eigene Leistbarkeitsberechnung realistisch sein muss.
Häufige Fragen
Bei einem Zins von 3,8 % und 2 % Tilgung ergibt eine Rate von 1.000 € einen Darlehensbetrag von ca. 206.000 €. Mit 20 % Eigenkapital (ca. 52.000 €) ergibt das einen Kaufpreis von ca. 258.000 €. Das reicht für ein solides Haus in Ostfriesland.
Ja, das ist möglich – aber mit deutlichen Nachteilen: höhere Zinsen (Aufschlag von 0,5–1,5 %), nicht alle Banken vergeben 100-%-Finanzierungen, und die Gesamtkosten steigen erheblich. Mehr dazu: Finanzierung ohne Eigenkapital 2026.
Die Zinsen sind höher als in der Niedrigzinsphase, aber historisch noch im normalen Bereich. Entscheidend ist nicht der absolute Zinssatz, sondern ob die Rate dauerhaft tragbar ist. Zudem sinkt die Restschuld mit jedem Jahr – eine Umschuldung zu günstigeren Konditionen ist später immer möglich.
Banken rechnen grundsätzlich mit dem Nettoeinkommen. Bonuszahlungen und Überstunden werden nur zu einem Teil (oft 50–80 %) angerechnet. Mieteinnahmen aus anderen Objekten werden ebenfalls oft nur zu 70–80 % angesetzt.
- Baufinanzierungsrechner 2026 – Rate & Kosten berechnen
- Eigenkapital aufbauen für den Hauskauf – 8 Wege
- Nebenkosten beim Hauskauf 2026 – vollständige Übersicht
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- Hauskauf oder Miete 2026 – Was ist günstiger?
Offizielle Quellen: Verbraucherzentrale – Bauen & Wohnen | Bundesbank – Zinsentwicklung
📅 Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2026
Beate Schäfer begleitet Familien und Erstkäufer auf dem Weg ins Eigenheim. Ihr Fokus liegt auf verständlichen Tipps rund um Hauskauf, Wohntrends und die persönliche Finanzplanung.
